2012 skizzierte Autor Marc Elsberg in seinem Thriller „Blackout. Morgen ist es zu spät“ den Strom-Super-GAU: Europaweit brechen alle Stromnetze zusammen. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen, Supermärkte und Tankstellen schließen, Telefone und PCs außer Betrieb. Die Bankautomaten spucken kein Geld mehr aus, Pizzadienste liefern nicht. Fiktive Schilderungen, jedoch seit den Winterstürmen zu Beginn 2018 zumindest teilweise vorstellbar. Wir sind abhängig vom Strom. Mehr, als uns vielleicht bewusst ist.

„In einer Zeit, in der man Smartphone, PC, W-Lan, moderne Kommunikation, Strom und Wasser als gegeben hinnimmt, muss man mit dem Ausfall dieses Luxus rechnen. Dann gilt es, das tägliche Leben mit einer Notversorgung zu gestalten“, erklärt Hermann Schreck, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes e.V..

Umgeknickte Gittermasten: Die Stürme zu Beginn des Jahres 2018 sorgten insbesondere in Südbaden für große Schäden.

Dazu gehört eine Grundversorgung, für die es Empfehlungen vom zuständigen Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt. „Bisher sind weniger als 50 Prozent der Bevölkerung für den Ernstfall gewappnet, wie eine Studie der Allianz vor einigen Jahren ergab“, erklärt Ursula Fuchs, Referatsleiterin Information der Bevölkerung, Selbstschutz und Selbsthilfe im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

 

Jeder Bürger sollte für den Ernstfall vorsorgen

Für Hermann Schreck ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und die Vorsorge obligatorisch, Eigenvorsorge lautet die Devise: „Jede Vorsorge, die man als Privatmann treffen kann, ist ein Vorteil.“
Generell unterscheidet das Bundesamt Stromausfälle in drei Kategorien: bis zu acht Stunden, acht bis 24 Stunden sowie mehr als 24 Stunden. Je länger ein Stromausfall dauert, desto intensiver die zu treffenden Maßnahmen.

Zudem macht es einen Unterschied, ob nur wenige Haushalte vom Stromausfall betroffen sind oder ob er flächendeckend ist. Sind nur einzelne Haushalte betroffen, kann Strom an verschiedenen Orten je nach Priorität eingespeist werden.

Panikmache ist jedoch nicht angesagt: „Die Stromversorgung in Deutschland zählt europaweit zu den sichersten. Selbst wenn es mal zu kurzzeitigen Stromausfällen kommt, werden diese meistens binnen weniger Minuten wieder behoben“, erklärt Ursula Fuchs.

 

Welche Maßnahmen sind bei einem längeren Stromausfall sinnvoll?

 

Zwei Liter zum Trinken und für Hygiene

Die Trinkwasserversorgung ist von der Stromversorgung abhängig. Deshalb ist ein Vorrat an Trinkwasser bei einem längeren Ausfall unbedingt erforderlich.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt jedem Bürger für den Ernstfall Vorräte für zwei Wochen im Haus zu haben. Pro Tag sollte man dafür mit mindestens zwei Liter, besser drei, Wasser planen: 1,5 bis 2,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen, Waschen und Zähneputzen. Denn unsere Trinkwasserversorgung ist zum Teil vom Strom abhängig.

Mithilfe eines faltbaren Wasserkanisters lässt sich Wasser leicht transportieren.
Mit Handreinigungsgels reinigt man die Hände ohne Wasser, Kautabletten ersetzen Wasser und Zahnbürste.

 

 

Haltbare Lebensmittel: 2200 Kalorien pro Tag

Haltbare Lebensmittel wie Konservengemüse, Trockenobst, Hartkäse und Honig sorgen für Mahlzeiten ohne Herd und Kühlschrank.

Im Schnitt verbraucht ein erwachsener Mensch 2.200 Kalorien am Tag. Daher rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe dazu, mit diesem Wert zu planen.

Da bei einem Stromausfall Tiefkühltruhe und Kühlschrank nicht mehr kühlen, sollte jeder Bürger lang haltbare Lebensmittel bevorraten.

Dazu zählen zum Beispiel Brot, Knäckebrot, Nudeln, Reis, Cornflakes, Hartkäse, haltbare Milch, Öle und Honig. Für den kleinen Hunger zwischendurch eignen sich Müsliriegel, Trockenobst, Schokolade oder auch Energie-Gels für Sportler.

Auch ein paar Fertigsuppen und andere Konserven gehören in den Vorrat. Aus Konservengemüse lässt sich übrigens schnell ein Salat zaubern, der auf Einweggeschirr serviert werden kann.

 

Drei-Dosen-Salat

1 Dose Thunfisch, 1 Dose Mais und 1 Dose Erdnüsse mit einem Esslöffel Öl mischen und mit Kräutern und Gewürzen abschmecken – fertig. Gut dazu passen auch noch rote und/oder grüne Bohnen sowie etwas Käse.

 

Strom-, Licht- und Wärmequellen

Mit Powerbanks lassen sich Smartphones, Notepad, Laptop und Co. in Betrieb halten. Selbst laden sich zum Beispiel Solargeräte im Sonnenlicht auf.

Taschenlampen sollten bei einem Stromausfall griff- und betriebsbereit sein – also am besten eine neben das Bett legen.

Auch elektronische Geräte funktionieren teilweise mit Batterien oder Akkus, davon sollten ausreichend im Haus sein. Mit einer Stirnlampe bleiben praktischerweise die Hände frei. Nur geladene Handys können bei einem Stromausfall hilfreich sein.

Bei Smartphones reicht der Akku meistens maximal einen Tag lang, wer noch ein altes Mobiltelefon im Schrank hat, sollte darauf zurückgreifen.

Mit den „alten Schätzchen“ lässt sich zwar „nur“ telefonieren oder Textnachrichten schreiben, dafür halten sie deutlich länger durch als ihre modernen Nachfolger.

Mit Powerbanks lassen sich Smartphones, Notepad, Laptop und Co. wieder aufladen – Voraussetzung dafür ist, dass auch die Powerbank selbst aufgeladen wird – Solar-Powerbanks legt man dafür einfach in die Sonne.

 

Teelichter, Kerzen und Petroleumlampen erweisen bei Stromausfall einen guten Dienst, allerdings bergen diese Energiequellen auch Feuergefahr und sollten immer ausreichend im Blick sein; sichere Alternativen sind Teelichter und Kerzen mit Batteriebetrieb oder Solarlampen wie beispielsweise das Sonnenglas, das mit vier solarbetriebenen LEDs betrieben wird und als vollwertige Lichtquelle für Gebiete ohne Stromversorgung entwickelt wurde.

Das Sonnenglas wurde für Gebiete entwickelt, die ohne Stromversorgung auskommen müssen. Sie sehen übrigens auf Terrasse und Balkon hübsch aus – auch wenn die Versorgung wieder steht. © sonnenglas.net.

 

Decken kann man nie genug im Haus haben, um sich bei einem Stromausfall damit zu wärmen. Wärmekissen, die zur Inbetriebnahme einmal geknickt werden müssen, sorgen für warme Hände und Füße.

 

Betrieb lebenserhaltender Maschinen sichern

Notstromaggregate sichern die Versorgung für Menschen, die gesundheitlich auf Maschinen angewiesen sind. Für Gekko, Fisch & Co kann das ebenfalls lebenswichtig sein.

Chronisch kranke Menschen zum Beispiel Lungen- oder Dialysepatienten sind auf Maschinen angewiesen. Wenn bei einem Stromausfall ein Beatmungsgerät ausfällt, zählt jede Sekunde. „Das ist natürlich ein Risiko, dem man vorbeugen muss“, erklärt Hermann Schreck, „Prüfen Sie, ob sich das Geräte mit einem Akku betreiben lässt!“.

Für Risikogruppen macht ein Notstrom-Generator Sinn. Medikamente für zwei Wochen sollten grundsätzlich vorrätig sein, zudem gehört in jeden Haushalt eine Notfall-Apotheke mit den wichtigsten Medikamenten.

 

 

 

Für Säuglinge trinkfertige Nahrung bevorraten

Fläschchen ohne Wasserkocher oder Herd: Der Handel hält ein großes Angebot an trinkfertiger Nahrung bereit. Gute Dienste leisten bei der Zubereitung der gewohnten Nahrung Campingkocher.

Trinkfertige Nahrung für Babys gibt es in fast jedem Super- oder Drogeriemarkt und muss praktischerweise nicht erwärmt werden. Wer auf das Fläschchen nicht verzichten will, sollte stets eine Thermoskanne mit abgekochtem Wasser vorhalten.

Erwärmen lässt sich das Fläschchen mit einem Gas- oder Campingkocher oder alternativ mit einem Stövchen mit Teelicht. Damit lassen sich dann auch die Schnuller abkochen.

 

 

 

 

Tiere in Terrarien oder Aquarien

Tiere in Terrarien wie Schildkröte, Bartagame oder andere mögen es meistens warm. Fällt der Strom aus, sollten Besitzer sich mit Regeln für Fütterung und Versorgung auskennen.

Ein Terrarium läuft ebenfalls mit Strom, fällt dieser für kurze Zeit – bis zu drei Tagen – aus, wird das Schlangen, Geckos und Co. nicht groß schaden, bleibt der Strom länger weg, können die kaltblütigen Tiere auskühlen, in eine Starre fallen und schlimmstenfalls die Unterkühlung mit dem Leben bezahlen.

Auch dort sollte man mit Akkus oder einem Notstromaggregat für den Ernstfall vorsorgen.

Wärmekissen wären hier die falsche Option, Decken dagegen die richtige. Wichtig ist, die Tiere bei einem kurzzeitigen Stromausfall nicht mehr zu füttern. In Aquarien läuft bei einem Stromausfall die Wasserpumpe nicht mehr, auch dort wären Akkus oder ein Notstromaggregat eine Option.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Das Wichtigste ist Information, Trinken, Essen, Wärme – in dieser Reihenfolge“

InformationWenn der Strom ausfällt, informieren, ob die Unterbrechung länger dauert. Da wäre es gut, beispielsweise ein Kurbelradio (gibt es sogar mit Handy-Ladegerät) im Haus zu haben, oder man hört im Auto Radiohinweise.

TrinkenTrinken ist wichtiger als essen. Denn ohne Nahrung kann man eine Weile auskommen, aber nicht ohne zu trinken. Daher sollte man einen Vorrat an Wasser im Haus haben – nicht nur Softgetränke!

EssenDanach kommt schon das Essen. Dabei ist es immer gut, wenn die Dinge kalt gegessen werden können und schon fertig zubereitet sind. Erbsen aus der Dose oder dem Glas sind zum Beispiel sinnvoller als getrocknete Erbsen, weil man diese ohne Kochquelle und Wasser nicht zubereiten kann.

WärmeBeim Thema Wärme kommt es natürlich darauf an, welche Jahreszeit gerade ist. Im Winter benötigt man bei Stromausfall eine zusätzliche Wärmequelle oder man muss alles, was man an Wintersachen hat, anziehen.

Ursula Fuchs, Referatsleiterin Information der Bevölkerung, Selbstschutz und Selbsthilfe im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)

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