…mit diesen Worten begrüßte die Programmdirektorin Karen Tucker unsere 20-köpfige Gruppe bestehend aus dualen Studenten aus ganz Deutschland in Atlanta. Es war der Startschuss für eine dreiwöchige Summer School am Georgia Institute of Technology in Atlanta im Bundesstaat Georgia, an der ich dank eines Stipendiums der Fulbright Kommission teilnehmen durfte.

Atlanta im Bundesstaat Georgia

Nach einem knapp zehnstündigen Flug von Frankfurt nach Atlanta war ich zwar ziemlich müde, aber gleichzeitig sehr froh, dass unsere Gruppe so herzlich in Atlanta willkommen geheißen wurde. Gleich zu Beginn erhielten wir unzählige Informationen über den Ablauf des Programms, über das Leben auf dem Campus sowie wichtige Sicherheitsvorschriften und Tipps. Außerdem wurden uns unsere Ansprechpartner auf dem Campus vorgestellt, die während der drei Wochen fast rund um die Uhr für uns da waren.

Was erwartete mich innerhalb der drei Wochen im Language Institute?

Buzz, das Georgia Tech Maskottchen

Buzz, das Georgia Tech Maskottchen

Ich durfte die kommenden drei Wochen im Language Institute des Georgia Institute of Technology am „Fulbright Intercultural Communications Program“ teilnehmen. Insgesamt rund 200 Studenten, davon 20 aus Deutschland, 160 aus China und 20 aus Mexiko, wurden in verschiedene Kurse eingeteilt.

Für mich bedeutete das konkret, dass ich von Montag bis Donnerstag täglich drei Kurse belegte. Vormittags war ich für die ersten beiden Kurse in Gruppen mit ca. je 20 Studenten aus Deutschland und mehrheitlich aus China aufgeteilt.

Als erstes stand das Fach „Business Case Studies“ auf dem Programm. Ein „Business Case“ beschreibt ein bestimmtes Geschäftsszenario in Bezug auf die Rentabilität einer Investitionsmöglichkeit.

Innerhalb des Kurses lernten wir „Business Cases“ richtig zu lesen, zu analysieren und die Wirtschaftlichkeit der möglichen Investition zu beurteilen. Ein „Business Case“ drehte sich um die Kundenzufriedenheit von Starbucks. Es galt zu beurteilen, inwieweit eine Investition in mehr Personal in den Cafés nötig bzw. rentabel ist, um die Kundenzufriedenheit von Starbucks zu steigern. Wie praktisch, dass wir die Kundenorientierung der Starbucks Mitarbeiter in den unzähligen Starbucks Cafés live testen konnten.

Georgia Tech Tower

Georgia Tech Tower

Im Kurs „Leadership Across Cultures“ lernten wir zum Beispiel, wie Kultur und Erziehung das Führungsverständnis beeinflussen können – und dank der interkulturellen Zusammensetzung des Kurses mit deutschen und chinesischen Studenten, konnten wir diese Unterschiede hautnah erleben.

Gemeinsam reflektierten wir auch unser eigenes Verhalten als „leader“ (dt. Leiter/Anführer).

Georgia Tech Square

Georgia Tech Square

Wann trete ich im Alltag als Leader auf? Wie verhalte ich mich dabei? Einige Rollenspiele und Teamwork sorgten dafür, dass wir immer aktiv dabei waren und viel englisch sprachen.

In beiden Fächern ging es neben fachlichen Inhalten hauptsächlich darum, unser Englisch zu verbessen, in bunt gemischten Gruppen zusammen zu arbeiten, unsere Ergebnisse in einer fremden Sprache sicher zu präsentieren und mit unseren chinesischen Mitstudenten in Austausch zu kommen.

„My name is Chen Lu but you can call me Nancy…“

Wir staunten zum Beispiel nicht schlecht, als die chinesischen Studenten in der ersten Stunde alle stolz ihre amerikanischen Namen präsentierten – Nancy, Michelle, Tony, Eric, March… .

Sollten wir uns besser auch andere Namen geben? Nein, wir blieben bei unseren deutschen…

Sorgten die amerikanischen Namen der chinesischen Kommilitonen doch das ein oder andere Mal für Verwirrung, wenn sie untereinander selbst nicht mehr wussten, wie denn der amerikanische Name des Kollegen war.

Nach anfänglicher Unsicherheit und einigen Kommunikationsproblemen wurde die deutsch-chinesische Zusammenarbeit unter amerikanischer Leitung von Tag zu Tag besser und unsere „Final Presentations“ am Ende der drei Wochen konnten sich sehen lassen. In dreier Gruppen stellten wir im Kurs „Business Cases“ unsere Entscheidung für den Starbucks Case vor: Ganz klar! Eine Investition in mehr Personal würden wir sehr begrüßen –  die Wartezeiten für einen Kaffee sind gerade morgens einfach zu lang.

Gruppenfoto des Leadership Kurses

Gruppenfoto des Leadership Kurses

 

Der Nachmittagskurs war zumindest für mich die größte Herausforderung. Unter der Leitung von Melissa, die Start-up-Unternehmen in Atlanta begleitet und betreut, sollten wir im Fach „Evidence-Based Entrepreneurship“ einen Einblick bekommen, wie Geschäftsideen entworfen und entwickelt werden.

In vierer Gruppen sollten wir uns ein neues, innovatives Produkt für eine ganz bestimmte Zielgruppe ausdenken – das Produkt meiner Gruppe: Brillengläser, die nicht beschlagen können. Als Zielgruppe hatten wir dafür Küchenpersonal von Restaurants und Cafés gewählt.

“Your most unhappy customers are your greatest source of learning.”

Diese Botschaft stand im Zentrum des Kurses, zu Deutsch: Von unzufriedenen Kunden kann man am besten lernen! Wie denn bitte das? Die Antwort erhielten wir im Laufe des Kurses.

Wir erarbeiteten zunächst Business Thesen, das heißt wir formulierten unsere Geschäftsidee so knapp wir möglich. Dazu stellten Hypothesen über die Bedürfnisse und Wünsche unsere Zielgruppe auf, die wir dann in knapp 20 Interviews mit Köchen und Küchenpersonal belegen oder widerlegen sollten.

Hier kam nun die Unzufriedenheit der Zielgruppe ins Spiel. Wir sollten möglichst offene Fragen stellen und die Befragten dazu bringen, uns von sich aus von ihren Problemen zu erzählen. Einfach zu fragen, ob nicht-beschlagbare Brillengläser dem Koch bei seiner Arbeit helfen würde, wäre zu offensichtlich. „Nur, wenn die Zielgruppe durch gezieltes Nachhaken selbst das „Brillen-Problem“ ins Gespräch bringt, ist es ein wirkliches Problem und es besteht Bedarf dieses zu lösen“, erklärte uns Melissa. Die Kunst war also, das Gespräch bzw. Interview in die richtige Richtung zu lenken, um die wahren Sorgen der potenziellen Kunden aufzudecken.

Gruppe bei der Arbeit im Klassenzimmer...

Meine Gruppe bei der Arbeit im Klassenzimmer…

Gruppe bei der Arbeit in der Küche

… und in der Küche.

Meine Gruppe und ich waren überzeugt von unserer Geschäftsidee und wir machten uns motiviert auf die Suche nach potenziellen Kunden:

Es kostete uns einige Überwindung einfach in Restaurants zu spazieren und nachzufragen, ob es wohl möglich wäre, einen Koch mit Brille zu finden und diesem ein paar Fragen zu stellen. Wir waren einmal mehr überrascht von der Hilfsbereitschaft und Offenheit der Amerikaner und hatten bereits nach zwei Nachmittagen unsere Interviews zusammen. Wir hätten nicht erwartet, dass tatsächlich so viele Angestellte in Restaurantküchen überhaupt Brillen tragen und zudem Probleme mit beschlagenen Brillengläsern haben. Um die Brillengläser zu entwickeln, hat dann leider die Zeit nicht mehr ganz gereicht … ;-).

Abschließend drehte jedes Team ein möglichst kreatives Produktvideo, das wir der gesamten Gruppe in der letzten Unterrichtseinheit präsentierten.

Mehr als nur Studium

Big City LifeNeben den drei Kursen bot unser Programm noch einiges mehr für uns. An den Freitagen sowie den Wochenenden standen zum Beispiel ein Firmenbesuch bei Thyssen-Krupp, die Besichtigung des Tech Villages (einem Bürokomplex für Start-up-Unternehmen), die Teilnahme an einer Leadership Challenge in einem Kletterpark, Cool River Tubing auf dem Chattahoochee River und der Besuch der North Georgia Premium Outlets auf dem Programm.

Natürlich besuchten wir auch das Martin Luther King Jr. Museum. Dort kann man das Geburtshaus von Martin Luther besichtigen und ein Redner hielt auf beeindruckende Art und Weise im Untergeschoss einer Kirche Martin Luthers berühmte Rede „I have a dream“.

North Avenue Appartements

Blick auf die North Avenue Appartements, in denen wir untergebracht waren.

Aber es brauchte wahrlich keine großen Ausflüge, um viel zu erleben. Der Campus des Georgia Tech ist riesengroß – ein eigener Stadtteil von Atlanta, mit Studentenheimen, eigenem Campus-Bus, Campus Polizei und unglaublich vielen Sportanlagen.

Viele davon wurden für die olympischen Spiele 1996 in Atlanta erbaut, zum Beispiel das „Recreation Center“:  eine riesige Sporthalle mit Fitnessstudio, Basketball-, Fußball- und Squashcourts, Gymnastikräumen und zwei Schwimmhallen. In einer davon fanden ´96 die olympischen Schwimm- und Turmspringwettbewerbe statt und für Rio 2016 trainierte dort gerade das amerikanische Schwimm- und Turmspringteam. Leider waren die Tribünen gesperrt, als Michael Phelps zum Training ins Wasser sprang…

Untergebracht waren wir in den North Avenue Appartements des Campus´, die während der Olympischen Spiele als olympisches Dorf genutzt wurden. Jeder hatte sein eigenes Zimmer und gemeinsam teilten wir uns eine Küche, Wohnzimmer und Bad.

On vacations

Die drei Wochen vergingen dank eines vollen Terminkalenders und ganz viel Spaß wie im Flug. Die Stimmung beim Abschiedsfrühstück war gemischt. Wir waren glücklich darüber, dass wir so viele tolle Erfahrungen sammeln und neue Menschen kennenlernen durften aber natürlich auch etwas traurig, dass die gemeinsame Zeit schon vorbei war.

Nachdem wir uns schweren Herzen vom Georgia Tech verabschiedet hatten, freute ich mich auf ein paar Tage Urlaub in Florida. Gemeinsam mit einer Studentin aus Aachen ging es per Flugzeug nach Miami und von dort mit einem Leihwagen bis nach Key West. Auf dem Rückweg nach Miami machten wir noch einen Abstecher zum Everglades Nationalpark.

Ein perfekter Abschluss für diese tolle Zeit, die ich in den USA erleben durfte!

 

Miami Beach

Miami Beach

Info über das deutsch-amerikanische Fulbright-Programm

Das dreiwöchige Programm am Georgia Institute of Technology richtet sich speziell an duale Studenten der Bereiche Wirtschaft und Technik. Neben BWL-Studenten, nahmen auch Studenten der Studiengänge Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurswesen und Wirtschaftsinformatik am Programm teil. Mehr Informationen über die verschiedenen Programme der Fulbright Kommission gibt es unter: https://www.fulbright.de/

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