Rund um die Uhr sorgen Techniker der ED Netze dafür, dass Kunden bei Störungen schnell wieder Strom haben. Zwei Kollegen retteten sogar meine Party.

Es ist ein sommerlicher Rheinfelder Freitagnachmittag. Der Elektrogrill steht bereit für meine Geburtstagsfete und die Gäste sind da.

Ohne Strom bleibt mein Elektrogrill kalt. [Bild: Manuel Westermann]

Gerade möchte ich mit dem Grillen starten, doch plötzlich ist der Strom weg. Muss das jetzt sein?! Ich bemerke schnell: Mein Haushalt ist nicht der einzige ohne Strom, denn auch die Nachbarn erkundigen sich untereinander.

 

In der Netzleitstelle der ED Netze laufen alle Drähte zusammen

ED Netze ist der Stromnetzbetreiber für Südbaden und gehört zur Energiedienst-Gruppe. Ich arbeite bei ED Netze in Rheinfelden. Mit über 330 Kollegen sorgen wir für eine sichere Stromversorgung der 295.000 Netzkunden. ED Netze betreibt auch das Stromnetz in Rheinfelden. Hier haben wir eine zentrale Netzleitstelle, von der aus unsere Schalttechniker das Netz überwachen und teilweise fernsteuern. Zu diesem Zweck ist sie im Schichtbetrieb 365 Tage im Jahr rund um die Uhr besetzt und telefonisch erreichbar. Hier laufen alle Fäden – oder besser gesagt Drähte – zusammen.

 

Jederzeit ist die Netzleitstelle der ED Netze in Rheinfelden besetzt. Hier haben Dieter Meyer, Thomas Büttner und Peter Detterbeck (von links) Dienst. [Bild: ED Netze – Juri Junkov]

 

Bagger und Kabel vertragen sich manchmal nicht …

Ich möchte wissen, ob es schon Erkenntnisse zum Stromausfall gibt, und rufe bei unserer Netzleitstelle an. Dort signalisieren blinkende Symbole auf den Monitoren den Ausfall und ich erfahre von einem unserer Schalttechniker, Thomas Büttner, dass sich bereits ein Bauunternehmen gemeldet hat: Ein Baggerfahrer hat ein Kabel erwischt – und zwar ein Mittelspannungskabel. Das Mittelspannungsnetz mit einer Spannung von meist 20.000 Volt (kurz 20 Kilovolt = 20 kV) versorgt die Transformatorstationen, welche in die nachgelagerten Niederspannungsnetze einspeisen. Aus den Niederspannungsnetzen beziehen die Haushalte ihre Energie mit der üblichen Spannung von 230 / 400 V.

Eine Trafostation von innen: Links ist der Trafo zu sehen, der zwischen 20 kV und 400 V umspannt. Er dient somit als Bindeglied zwischen den Mittel- und Niederspannungsnetzen. Rechts befindet sich die 20-kV-Schaltanlage. [Bild: ED Netze]

 

Wenn eine Störung im 20-kV-Netz auftritt, dann fallen oft mehrere Trafostationen aus und einige Straßenzüge haben keinen Strom. Martin, einer meiner Gäste, fragt: „Wie ist dieses 20-kV-Netz aufgebaut? Und wie bekommen wir wieder Strom?“

 

Die Ringnetz-Struktur ist ganz schön clever

20-kV-Netze werden häufig als offene Ringnetze betrieben. Ringnetz bedeutet, die Stationen sind wie auf einer Perlenkette mit zwei Enden aneinandergereiht. Der Knackpunkt ist, dass das Umspannwerk von beiden Enden her in dieses Ringnetz einspeist, während sich etwa in der Mitte eine Trennstelle befindet – daher die Bezeichnung „offenes Ringnetz“. Kommt es zu einer Störung durch einen Kabelschaden, dann fällt nur ungefähr die Hälfte der Stationen in diesem Ringnetz aus, weil lediglich einer der beiden Halbringe vom Leistungsschalter im Umspannwerk abgeschaltet wird. Stellt euch den Leistungsschalter wie eine große Sicherung vor, die wie im Haushalt bei Überlast oder Kurzschluss auslöst.

 

Das Schema des beispielhaften 20-kV-Ringnetzes zeigt, wie der Kurzschluss den Stromausfall verursacht hat. Dank der Struktur des offenen Ringnetzes sind nur die Stationen im rechten Halbring bis zur Trennstelle ohne Strom, da nur der zugehörige Leistungsschalter ausgelöst hat. Nachdem unser Betriebstechniker die defekte Kabelstrecke herausgetrennt und die Netzleitstelle den Leistungsschalter „rechts“ geschlossen hat, sind alle Stationen wieder versorgt. [Bild: Manuel Westermann]

 

Der Bagger hat das Kabel zwischen den Stationen Römerstraße und Goetheschule beschädigt und einen Kurzschluss verursacht (siehe obige Abbildung). Also hat der zu diesem Halbring gehörende Leistungsschalter „rechts“ ausgelöst. Mein Haushalt ist an der Trafostation Römerstraße angeschlossen und somit ist hier der Strom weg.

Der Trick besteht jetzt darin, die beschädigte Kabelstrecke herauszutrennen und anschließend alle Stationen wiederzuversorgen. Dazu alarmiert Thomas Büttner von der Netzleitstelle aus zunächst einen Betriebstechniker, der vor Ort schalten kann. Denn nicht das ganze Netz ist ferngesteuert. Christian Keller, einer unserer Betriebstechniker, fährt jetzt in die Stationen Römerstraße und Goetheschule.

Dort öffnet er jeweils den Abgangsschalter hin zur beschädigten Kabelstrecke. Hierzu ist jede Station mit einer Schaltanlage ausgestattet und mit einem Hebel werden die großen Schalter betätigt. Danach kann Christian Keller die Trennstelle in der Station Sudetenstraße schließen, indem er dort den sonst geöffneten Abgang Richtung Station Alemannenstraße einschaltet. Außerdem kann die Netzleitstelle den Leistungsschalter „rechts“ ferngesteuert schließen – alle betroffenen Kunden sind wieder versorgt.

„Der Grill glüht ja schon! Aber damit ist jetzt noch nicht alles erledigt, oder?“, möchte Karin wissen.

 

Alle haben wieder Strom – trotzdem schnell den Defekt reparieren!

Obwohl es kein Kunde bemerkt, weist das Netz nach wie vor den Kabelschaden auf – die betroffene Kabelstrecke ist ausgeschaltet und nicht verfügbar.
Zu einem längeren Stromausfall käme es, wenn jetzt an anderer Stelle in diesem Ringnetz eine weitere Störung auftreten würde. Das ist zwar recht unwahrscheinlich – aber in diesem Fall würde das Konzept nicht mehr funktionieren, welches uns jetzt geholfen hat.

Dann gäbe es nämlich Stationen, die zwischen den beiden beschädigten Stellen lägen. Diese könnten nicht mehr versorgt werden und es könnte zu großflächigen Stromausfällen kommen, die kaum innerhalb kurzer Zeit zu beheben wären.

Deswegen ist es sinnvoll, die Strecke zwischen den Stationen Römerstraße und Goetheschule baldmöglichst zu reparieren. Dazu muss ein Tiefbauunternehmen kommen und eine passende Grube ausheben. Unsere Monteure können dann das beschädigte Kabelstück herausschneiden und ein neues einsetzen.

 

Unsere Kabelmonteure Felix Mutter und Stefan Lais (von links) reparieren ein 20-kV-Kabel. [Bild: ED Netze]

 

Als Verbindungsstücke montieren Felix Mutter und Stefan Lais, zwei unserer Kabelmonteure, Muffen zwischen neuem und altem Kabel. Diese aufwändige Arbeit erfordert einige Stunden Zeit, viel Sorgfalt und Know-how, im 20-kV-Netz unter anderem über die elektrische Feldsteuerung. Das sind Maßnahmen in der Hochspannungstechnik, die die hohen elektrischen Feldstärken beeinflussen können und damit beherrschbar machen.

 

Eine Muffe im 20-kV-Netz verbindet Kabel miteinander und ist aufwändig zu montieren. [Bild: ED Netze]

Nach der Reparatur kann Christian Keller die reparierte Strecke wieder in Betrieb nehmen und die Trennstelle in der Station Sudetenstraße öffnen.

 

Dank Messwagen haben wir die Kabel im Blick

Es gibt Fälle, in denen der Ort des Defekts nicht bekannt ist. Obwohl Kabel sehr langlebig sind, können sie auch durch Alterung kaputtgehen. Wenn es dadurch zu einem Kurzschluss kommt, fällt wie gerade eben ein Halbring aus. Die Netzleitstelle weiß jedoch nicht, wo in diesem Teilnetz der Schaden aufgetreten ist. Dann kommen Techniker mit dem Kabelmesswagen zum Einsatz, um die Stelle einzugrenzen. Mit Hilfe des Fahrzeugs kann eine unserer Technikerinnen, Sabrina Markoni, die Schadensstelle zentimetergenau orten.

Auch Kabeldiagnosen kann sie durchführen – unter anderem um Schwachstellen im Netz frühzeitig zu erkennen.

 

Unsere Technikerin Sabrina Markoni ortet eine Schadensstelle. Dazu erzeugt der Kabelmesswagen elektrische Entladungen im defekten Kabelstück, die sie mit einem empfindlichen Mikrofon hören und zuordnen kann. [Bild: ED Netze]

 

Jetzt kann die Party beginnen!

Abschließend meint Julian: „Der Strom war echt schnell wieder da – deine Kollegen haben es offensichtlich im Griff. Ich finde, darauf können wir jetzt anstoßen!“

 

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