Karneval in Deutschland 2016. Während in Köln gefeiert wird, müssen die Karnevalisten in Düsseldorf und Mainz zu Hause bleiben. Ihre Umzüge am Rosenmontag wurden wegen Sturmgefahr abgesagt. Und tatsächlich blies der Wind in den Tagen Anfang Februar richtig stark, bei den tückischen Fallwinden sogar in Orkanstärke. Schlägt sich so ein Wetter auf die Stromerzeugung durch Windkrafträder nieder? Die bereits vorliegenden Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Ja, wer Sturm gesät hat, also in Windenergieanlagen investierte, hat viel Windstrom geerntet. Dabei spielen auch die in den letzten Jahren enorm ausgebauten Offshore-Anlagen eine immer größere Rolle.

Windkraft wird immer wichtiger

Montag 8. Februar 2016. Es ist Rosenmontag und um 7 Uhr morgens brausen heftige Stürme über Deutschland hinweg. Die Zahlen der Stromerzeugung stellen sich um diese Uhrzeit wie folgt dar:

  • Windkraft: 32.000 Megawatt
  • Braunkohle: 12.300 Megawatt
  • Steinkohle: 4.900 Megawatt
  • Kernenergie: 10.210 Megawatt
  • Gas: 3.090 Megawatt
  • Wasserkraft: 920 Megawatt
  • Biomasse: 7.420 Megawatt

Obwohl die Erzeugung aus Photovoltaik um diese frühe Uhrzeit keine Rolle spielt, liegt die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen ganz weit vorne. Allein aus Windkraft wurde mehr Strom erzeugt als aus allen konventionellen Quellen zusammen (32.000 Megawatt gegenüber 30.500 Megawatt aus Braunkohle, Steinkohle, Kernenergie und Gas). Wenn man Biomasse und Wasserkraft hinzuzählt, dann wurden an diesem Morgen von den insgesamt erzeugten 70.000 Megawatt allein aus erneuerbaren Quellen 58 Prozent erzeugt. Das sind wirklich imposante Zahlen, die verdeutlichen, wie weit wir inzwischen mit der Energiewende sind und welche Rolle die Erneuerbaren bei der Stromerzeugung spielen können – wenn das Wetter mitspielt.

Wie wichtig das Wetter nämlich andererseits bei der Beurteilung der Gesamtlage der Energiewende ist, zeigt die Statistik im weiteren Verlauf dieser zweiten Februarwoche in der folgenden Grafik. Während der Verbrauch relativ konstant die von der Tageszeit abhängigen Höhen und Täler aufweist, müssen die konventionellen Kraftwerke den abnehmenden Wind zum Wochenende hin voll kompensieren. Noch also ist die Energiewende nicht am Ziel.

Energieerzeugung D Februar

Struktur der Energieerzeugung in Deutschland Anfang Februar 2016

Datenquelle: Energy Charts

Offshore-Windräder liefern jetzt

Die Zuwachsraten bei den Windenergieanlagen, deren Rotoren sich ja inzwischen in der norddeutsche Tiefebene und auf den Höhenzügen im ganzen Land weithin sichtbar majestätisch langsam drehen, speisen sich aus zwei Quellen: einem enormen Wachstum bei den Onshore-Anlagen und nach langen Jahren der Entwicklung aus den zuletzt ans Netz angeschlossenen Offshore-Anlagen. Letztere sind technisch anspruchsvoll und aktuell noch relativ teuer. Aber der massive Ausbau lässt weitere Skalierungseffekte erwarten. Bis 2020 könnten die Gestehungskosten für die produzierte Kilowattstunde, aktuell etwa 15 Cent, noch um 40% sinken.

Aktuell stehen fast 800 Windkrafträder außerhalb der 12-Meilen-Zone vor den deutschen Küsten in der Nord- und Ostsee. Deren Leistung summiert sich auf 3.300 Megawatt. Zum Vergleich: Das Kernkraftwerk Brokdorf, das zweitgrößte in Deutschland, kommt auf eine Leistung von 1.400 Megawatt. Bis 2020 soll sich die Leistung der Offshore-Windanlagen nach der Planung der Bundesregierung auf 10.000 Megawatt erhöhen, bis 2030 sollen es sogar 25.0000 werden. Inzwischen sind Genehmigungen für den Bau von dann insgesamt fast 2.300 Windkrafträdern erteilt worden.

Offshore-Windenergie braucht Ausbau der Stromnetze

Die Offshore-Anlagen werden in Windparks zusammengefasst, aktuell sind es 35, um den Anschluss an das Stromnetz wirtschaftlicher abzubilden. In den letzten Jahren hat sich diese Verbindung als Nadelöhr erweisen. Grund dafür ist einerseits die technische Komplexität und zum Teil die fehlende Ertüchtigung des Netzes. Der Windstrom kann einfach nicht in gewünschtem Umfang abgeleitet werden. Schon jetzt kommt es vor, dass die Anlagen mehr Strom erzeugen, als der relativ industriearme Norden verbrauchen kann. Das verdeutlicht zum Beispiel der Plan in Schleswig-Holsteins, 300% seines Strombedarfs durch Erneuerbare Energien, in diesem Fall im wesentlichen Windenergie, zu decken. Deshalb drängen die Energieversorger und die Politik auf die Errichtung von Überlandleitungen, um das Transportnetz so zu ertüchtigen, dass der Strom aus dem Norden in den Süden geleitet werden kann. Eines der Projekte heißt Südlink, um das es in den letzten Monaten immer wieder Diskussionen gegeben hat. Der lokale Druck besorgter Anwohner hat letztlich dazu geführt, dass diese Stromautobahn im Wesentlichen nicht mit Überlandleitungen sondern in Form von Erdkabeln umgesetzt wird. Das ist zum einen technisch aufwendig, führt also zu höheren Kosten, und zum anderen zu einer zeitlichen Verzögerung. Dem entsprechend steigen die Netzentgelte weiter, also der Teil des Strompreises, den die Endverbraucher neben den reinen Erzeugungskosten als Aufschlag zahlen.

Windkraft wird auch in Baden-Württemberg ausgebaut

Der Erfolg der Windenergie beruht aber aktuell zum größeren Teil auf Onshore-Anlagen. Ende 2015 drehten sich fast 26.000 Windräder in Deutschland, wovon die Hälfte in den letzten 10 Jahren errichtet wurden. Auch diese Anlagen stehen zum größten Teil in den nördlichen Bundesländern. In den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg gab es lange Zeit politische Hemmnisse. Legendär ist in diesem Zusammenhang das Bonmot des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel, der vor einer „Verspargelung der Landschaft“ warnte und damit den Landschaftsschutz gegen die Erneuerbaren positionierte. Das war allerdings vor der Nuklearkatastrophe von Fukushima, mit der ja die Energiewende politisch auf eine völlig neue Basis gestellt wurde. Inzwischen werden auch in Baden-Württemberg, wo aktuell kaum 500 Windräder rotieren, wieder mehr Anlagen errichtet. Etwa 100 Projekte befinden sich aktuell im Bau und weitere 100 im Genehmigungsverfahren. Noch allerdings gilt es, vor Ort so manchen skeptischen Bürger von der Machbarkeit und Sinnhaftigkeit der Windkraftanlagen zu überzeugen.

Visualisierung des geplanten Windparks Hasel bei Lörrach. Grafik: EnBW

Visualisierung des geplanten Windparks Hasel bei Lörrach. Grafik: EnBW

Windstrom von Energiedienst: Windpark Hasel

Auch Energiedienst ist bei der Windenergie aktiv. Zusammen mit der EnBW befindet sich ein Onshore-Windpark im Landkreis Lörrach in der fortgeschrittenen Planung. Name: Windpark Hasel. 5 Windenergieanlagen sollen bis März 2017 errichtet werden und dann 10.000 Menschen mit sauberem Strom versorgen. Die Anlagen haben eine Nabenhöhe von 149 Metern und einen Rotordurchmesser von 126 Metern. Sowohl was die Windverhältnisse als auch was die Einwirkung auf Tier- und Pflanzenwelt betrifft, gehen Gutachten von unproblematischen Verhältnissen aus.
Mehr Infos dazu hier: Windpark Hasel

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