Zero Waste in der Praxis: Wie klappt das Müllvermeiden beim Großeinkauf für die Familie? Unsere Autorin Katja Weiger hat’s getestet.

Uns nervt es, wenn die Gurke in Plastik eingeschweißt ist. Oder eine halbe Ananas geschält in einer riesigen Box angeboten wird. Private Haushalte wie unserer produzieren in Deutschland rund 5,7 Millionen Tonnen Verpackungsmüll. Das macht unter dem Strich stattliche 68 Kilogramm pro Bürger. Wir sind angesichts dieser Zahlen entsetzt. Was für eine Verschwendung an Ressourcen! Zudem haben wir die Gelben Säcke satt. Sie stapeln sich in unserer Garage und riechen wenig fein. Zeit zu handeln: Denn weniger ist mehr. Gerade und vor allem beim Müll.

 

Zero Waste: Der Müll eines Jahres im Einmachglas

Zum Nachdenken gebracht hat uns das Buch von Shia Su: „Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün“. Die Autorin, die im Internet auf www.wastelandrebel.com bloggt, gilt in Sachen Müllvermeiden als echte Pionierin. Der Rest- und Plastikmüll, den sie und ihr Mann in einem Jahr produzieren, passt in ein Einmachglas!. Ob wir das schaffen? Unseren nächsten Einkauf begleitet der feste Vorsatz, bei allen Produkten möglichst nur „Müllfreies“ nach Hause zu nehmen.

 

Unser Zero Waste Selbsttest

Unseren Zero Waste Selbsttest starten wir in einem benachbarten Supermarkt, weil es in dessen unmittelbarer Nachbarschaft eine Drogerie gibt. Einige Toilettenartikel sind ebenfalls alle. Im Gepäck haben wir außer großen Taschen, auch dünne Gemüsenetze, zwei große Dosen und die Eierbox. Vorsichtshalber packe ich ein paar saubere Geschirrtücher dazu. Auf unserer Einkaufsliste stehen Salat, Obst, Gemüse und Pilze für eine Pastasauce. Dazu kommen Eier, Joghurt, Käse, Brot und Wurst. Und Süßigkeiten! Zudem sind unsere Vorräte an „Dauerklassikern“ wie Nudeln, Mehl, Reis und Linsen aufgebraucht. Aus der Drogerie benötigen wir Shampoo, eine Zahnbürste für den Gatten, Zahnpasta, Duschgel für Peter, meine Körpermilch und Shampoo für Pauls Locken. Eine stattliche Liste.

Paul geht umweltfreundlich zum Einkaufen.

Den Einkauf vor Ort bewältigt Paul umweltfreundlich zu Fuß oder mit dem Rad. Foto: Katja Weiger

 

Obst und Gemüse müllfrei: kein Problem

Äpfel, Bananen, Zitronen und Orangen können wir offen abwiegen oder einladen. Die Zitronen wandern ohne Tüte in den Wagen, genauso die beiden Orangen. Die Bananen sind durch ihre Schale ideal geschützt. Die Äpfel verfrachtet Paul in ein mitgebrachtes Netz. Ähnlich verfahren wir mit dem Gemüse. Die Möhren kommen lose in ein zweites Netz, genauso meine geliebten Tomaten. Paprika, Lauch und Salat landen verpackungsfrei im Wagen. Den teuren Spargel wickle ich vorsorglich in ein Geschirrtuch ein – ich habe kein Netz mehr. Bei den Pilzen bin ich ratlos. Ich möchte die filigranen Kräuterseitlinge schließlich heil heimbringen. Der Supermarkt bietet Papiertüten an. Schön!

Zero Waste: Äpfel im Obstnetz verpacken.

Äpfel im wieder verwendbaren Obstnetz verpacken. Foto: Katja Weiger

 

Gemüse besser in Papier statt in Plastik verpacken.

Gemüse und Pilze – lieber in Papier als Plastik! Foto: Katja Weiger

 

Zero Waste: Knifflige Rechtslage bei Frischeartikeln

Eier gibt’s zu meiner Freude ebenfalls offen. Vorsichtig lupft Paul sie in unsere mitgebrachte Mehrweg-Box. Diese ist zwar aus Plastik, aber viele Jahre alt. Das Brot verpackt mir die freundliche Verkäuferin ohne Diskussion in einen Jutebeutel, den die hiesige Bäckerei im Sortiment hat. Kniffliger ist die Rechtslage bei offenen Frischeartikeln wie Käse und Wurst. Der Markt-Mitarbeiter erklärt mir ausführlich die strengen Hygieneregeln. Der Kompromiss: Meine Dose kommt auf ein spezielles Tablett, Wurst und Käse landen in der Dose. Auf diese Art und Weise verunreinigen mitgebrachte Boxen den Hygienebereich hinter dem Tresen nicht. Den Joghurt kaufen wir gerne in großen Pfandgläsern – auch heute.

Mehrweg-Verpackungen für Eier verwenden

Die losen Eier landen in einer mitgebrachten Box. Auch das ist nachhaltig. Foto: Katja Weiger

 

Unverpackt-Läden auf dem Land: Mangelware

Doch was tun mit Nudeln, Linsen, Reis und Mehl? Würden wir in einer Großstadt leben, käme ein so genannter „Unverpackt-Laden“ ins Spiel. Hier kann man sich solche Lebensmittel in Gläser oder Dosen abfüllen – einfach wie genial. Von uns aus liegt das nächste Geschäft dieser Art knapp 60 Kilometer entfernt. Wir müssen uns also vor Ort nach einer Alternative umschauen. Linsen gibt es in einer Pappschachtel, Mehl in einer Papiertüte. Das ist in Ordnung. Nur beim Reis muss ich auf die obligate Plastikverpackung zurückgreifen. Schade! Komplett scheitern wir bei den Süßigkeiten. Ohne Plastik oder Alu gibt es nichts, was die Jungs mögen.

 

Feine Düfte aus dem „Weniger-Müll-Regal“

Der Drogerie-Einkauf klappt besser als erwartet. Die Filiale hat zwischenzeitlich ein „Weniger-Müll-Regal“. Hier finden wir mühelos eine Zahnbürste aus Schweizer Buchenholz. Die Borsten: laut Hersteller 100 Prozent biologisch nachwachsende Ressourcen. Die Bürste steckt in einen winzigen Karton. Statt der üblichen Zahnpasta in der Plastiktube entscheiden wir uns auf Peters Drängen für so genannte „Dent Tabs“. Die weißen Tabletten in der winzigen Tüte ersetzen sage und schreibe zwei Tuben herkömmlicher Zahnpasta!

Zero Waste: Mini-Pastillen statt Zahnpasta in der Tube

Mini-Pastillen statt Zahnpasta: kleine Tabletten für die Mundhygiene. Foto: Katja Weiger

 

Bei den Produkten zu Haar- und Körperpflege müssen wir improvisieren. Peter entscheidet sich für Seife. Es gibt eine herrlich duftende für Haare und Körper. Sie taugt ideal als Duschgel-Ersatz. Löblich: Die Shampoo-Seife ist lediglich in dünne Papier-Banderole gehüllt. Sie stammt von einem regionalen Anbieter. Die Körper-Seife kommt ebenfalls aus Baden-Württemberg. Sie besitzt eine Hülle, laut Verpackung aus 90 Prozent Biomasse hergestellt. Obendrein steckt sie in einer Pappschachtel. Eine Körpermilch in umweltfreundlicher Verpackung? Fehlanzeige! Meine Wahl fällt auf ein hochwertiges Körperöl in einer Glasflasche.

Seifen statt Duschgel und Shampoo in Plastikflaschen

Seifen statt Duschgel und Shampoo in Plastikflaschen – eine umweltfreundliche Idee. Foto: Katja Weiger

 

Plastikarm einkaufen – wie es im Alltag klappt

  • Obst- und Gemüse: Hier ist es leicht möglich, Müll einzusparen. Wenn man nicht gerade auf Discounter setzt: Dort ist zu vieles „vorverpackt“. Eine gute Alternative: Wochen- und Bauernmärkte oder das Reformhaus. Und: Immer an Körbe, Boxen und Einkaufsnetze denken!

 

  • Wurst- und Käse: Hier klappt es je nach Laden und Gepflogenheiten. Einfach fragen! Unsere Erfahrung: Die Mitarbeiter sind offen. Gerade Supermärkte und Drogerieketten wollen selbst gegen die Müllflut angehen.

 

  • Milch und Joghurt: Beides gibt es in umweltfreundlichem Mehrweg-Glas.

 

  • Süßigkeiten: Hier gibt’s noch Luft nach oben, was „Zero Waste“ angeht.

 

  • Toilettenartikel: Hier empfanden wir die Umstellung als am größten – gerade bei den „Dent Tabs“. Diese müssen zerkaut werden. Danach normal putzen. Alles fühlt sich sehr sauber an. Gewöhnungsbedürftig ist die mehlige Konsistenz der Pastillen nach dem Zerkauen. Die Shampoo-Seife riecht wunderbar zitronig, auch nach dem Aufschäumen. Allerdings verträgt sie sich nicht so richtig mit Pauls Naturlocken. Der Schaum lässt sich meiner Meinung nach schwer ausspülen. Erst jetzt entdecke ich, dass als kleine Dreingabe auf der Banderole das Rezept für eine umweltfreundliche Spülung aus Essig zu finden ist. Die Körperseife duftet sensationell nach Urlaub. Weiterer Pluspunkt: Sie glitscht einem nicht aus den Händen. Das teure Öl aus der Flasche ist ergiebiger als meine Körpermilch und damit langfristig günstiger.

 

Zero Waste beim Einkaufen klappt mit etwas Mühe.

Frisch einkaufen ohne Plastik: Das klappt mit ein bisschen Mühe hervorragend. Foto: Shutterstock

 

Unser Fazit: Der beste Müll entsteht gar nicht erst

Ganz ohne Verpackungsmüll einzukaufen, haben wir nicht geschafft. Unser Kompromiss: weniger statt null Müll. Auf dem Land ist das Angebot an Läden einfach reduzierter als in der Stadt. Verpackungsbewusst einzukaufen schafft man trotzdem, auch ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Wie sagt es Zero Waste-Pionierin Shia Su: „Der beste Müll ist der, der gar nicht erst produziert wird.“

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